Wussten Sie schon?

Fischwissen für Interessierte

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Der Baggersee

Zwischen dem 01.06.2016 und dem 31.12.2022 wurde ein wissenschaftliche Studie über Baggerseen am Beispiel Niedersachsen durchgeführt. Die Studie behandelt neben dem Lebensraum Baggersee auch die Bedeutung als Freizeit- und Erholungsraum für die Umgebung. Es wurden auch die Einflüsse der Angelfischerei auf Baggerseen untersucht. Die (sehr kurze) Zusammenfassung der Studie findet ihr im Folgenden. Sollte Interesse an der kompletten Studie bestehen, findet Ihr diese, wenn Ihr bei Google „Projekt BAGGERSEEN“ eintippt. Die Studie ist öffentlich und sehr interessant (aber auch sehr wissenschaftlich) Viel Spaß beim Lesen!

Die 15 wichtigsten Projekterkenntnisse und Empfehlungen:

1. Baggerseen sind kleine, künstliche Gewässertypen. Über 70 Prozent der Seenfläche in Niedersachsen lässt sich Baggerseen zuordnen. In vielen Regionen sind Baggerseen die zahlen- und flächenmäßig dominanten Standgewässer.

2. Baggerseen spielen deutschlandweit eine wichtige Rolle für den Artenschutz und die Erholung durch den Menschen. Sie werden jedes
Jahr an vielen Millionen Besuchertagen zur Naherholung, inklusive Freizeit- bzw. Angelfischerei, genutzt.

3. Die Qualität der Angelfischerei an Baggerseen steigt mit steigenden Raub- und Friedfischbeständen. Die Naherholungsqualität erhöht
sich sowohl für Anglerinnen und Angler als auch für die übrige Bevölkerung weiter, wenn an den Seen bedrohte Arten vorkommen.
Eine erhöhte Fischabundanz und eine gestiegene Biodiversität steigern die Ökosystemqualität aus Sicht von Menschen.

4. Sechs Prozent der niedersächsischen Bevölkerung geht an Baggerseen angeln. Spazierengehen (41 %) und Schwimmen (32 %)
sind Nutzungsformen, die an Baggerseen verbreiteter sind als das Angeln. Anglerinnen und Angler sowie andere Freizeitnutzergruppen
profitieren von einer hohen ökologischen Qualität von Baggerseen gleichermaßen. Wenn Angelvereine Baggerseen im Sinne einer
guten fachlichen Praxis hegen, hat dies einen positiven Effekt für die gesamte Gesellschaft.

5. Die Fischartenzusammensetzung von anglerisch bewirtschafteten Baggerseen ähnelt der von Naturseen. Ein hoher Anteil des regionalen Artenpools verschiedener Tier- und Pflanzengruppen findet in Baggerseen oder an deren Ufern geeignete Lebensbedingungen.

6. Angelvereine sind die wichtigsten Gestalter (Heger und Pfleger) von Baggerseen und deren Fischbeständen. Sie bewirtschaften zahlreiche Baggerseen und fördern die Vielfalt einheimischer Fischarten. Anglerisch nicht bewirtschaftete Baggerseen weisen zwar ebenfalls Fischbestände auf, die Artenzusammensetzung geht aber auf zufällige Besiedlung zurück und ist sowohl artenarm als auch naturfern. Die Fischgemeinschaft unbewirtschafteter Baggerseen weist eine ähnliche Häufigkeit und Biomasse auf wie die von bewirtschafteten Seen.

7. Das Angeln an Baggerseen und die dortige angelfischereiliche Hege haben keine relevanten negativen Auswirkungen auf die Artenvielfalt und das Vorkommen bedrohter Arten. Dieses Ergebnis trifft auf eine Vielzahl von Artengruppen zu (Libellen, Singvögel, Wasservögel, Wasser- und Uferpflanzen). Zum Amphibienschutz eignen sich steilscharige Baggerseen weniger. Die Amphibienvielfalt war insgesamt gering und in anglerisch bewirtschafteten Baggerseen noch geringer als in unbewirtschafteten Vergleichsgewässern.

8. Anglerinnen und Angler beeinflussen die Flora und Fauna an Baggerseen und deren Ufer in ähnlicher Weise wie andere  Naturnutzerinnen und Naturnutzer. Auf Vogelpopulationen hat das Uferangeln keinen pauschal negativen Effekt. Daher ist es wenig sinnvoll, aus naturschutzfachlichen Gründen das Angeln selektiv einzuschränken oder zu verbieten, wenn andere Gewässernutzungen weiterhin erlaubt sind.

9. Die gute fachliche Praxis im Angelfischereimanagement orientiert sich weg vom Fischbesatz hin zu Habitat aufwertenden Maßnahmen
im Litoral (Uferbereich) von Baggerseen.

10. Fischbesatz schlägt häufig unbemerkt fehl. Ökosystem verbessernde Ansätze, wie beispielsweise das Anlegen von Flachwasserzonen
in Baggerseen, erhöhen hingegen nachhaltig die Anzahl von Fischen sowie die Häufigkeit und Vielfalt anderer Organismengruppen. Der
Grund dafür ist, dass Flachwasserbereiche in Baggerseen das entscheidende und begrenzende Habitat darstellen. Die Effekte von Totholzeintrag variieren stärker in Abhängigkeit der einzelnen Baggerseen. Die Schaffung von Flachwasserzonen oder das Einbringen von
Totholz erhöhen den Nährstoffgehalt von Baggerseen nicht.

11. Litorale Lebensräume haben in strukturlosen und oft steilscharigen Baggerseen einen deutlich größeren Einfluss auf die Fischhäufigkeit als in Naturseen.

12. Der behördliche Biotopschutz fokussiert insbesondere auf Naturseen. Angelvereine stellen dagegen Uferabschnitte von Baggerseen
häufig freiwillig unter Schutz. Die Anzahl niedersächsischer Seen über zehn Hektar Wasserfläche mit ausgewiesenen Schutzzonen
wird durch diese freiwilligen Schutz- und Schongebiete mehr als verdoppelt.

13. Die von Angelvereinen freiwillig eingerichteten Ruhezonen mit beschränktem Zugang erhöhen die Habitatqualität am Ufer, die
Fischreproduktion und die Präsenz störungssensitiver Tier- und Pflanzenarten.

14. Baggerseen und andere künstlich geschaffene Gewässer können im Sinne der biologischen Vielfalt verloren gegangene Feuchtgebiete und Flusslebensräume nur bedingt ersetzen, da Letztgenannte Bedingungen bieten, die in Baggerseen nicht zu finden sind. Gewässerschutz und Schutz der biologischen Vielfalt müssen daher unterschiedliche Gewässertypen berücksichtigen und sektorenübergreifend (Fischerei, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Naturschutz) handeln.

15. Die Gesellschaft erwartet von der Angelfischerei eine Ausrichtung auf den Natur- und Artenschutz, weiß aber wenig über diesbezügliche Aktivitäten von Angelvereinen als Fischereiberechtigte. Die Akzeptanz der Angelfischerei könnte durch verstärkte transdisziplinäre Ansätze und bessere Öffentlichkeitsarbeit gesteigert werden. Inter- und transdisziplinäre Forschungsansätze, die Forschung und Praxis verbinden, können wesentliche Unsicherheiten zur Wirksamkeit von Gewässermanagementansätzen abbauen. Die Zusammenarbeit mit Angelvereinen hat sich hierbei bewährt und könnte in der Zukunft weiter ausgebaut werden.

Quelle: die Studie von
Radinger J, Matern S, Klefoth T, Wolter C, Feldhege F, Monk CT, Arlinghaus R (2023) Ecosystem-based management outperforms species-focused stocking for enhancing fish populations. Science. DOI: 10.1126/science.adf0895.

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